Persönliche Maßnahmen: Sonnenschutz in der Kindertagesstätte

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Kind, Sonnenschutz

Die Sonne – und ihre Schattenseiten

Die Rangfolge von Schutzmaßnahmen gegen solare UV-Strahlung folgt dem klassischen Präventionsprinzip: Technisch-Organisatorisch-Persönlich, kurz: TOP. Technische Maßnahmen, wie Verschattung durch Sonnensegel und Jalousien sind baulich umzusetzen (s.a. inform 1/2019 und inform 2/2019, S. 8-9). Organisatorische Maßnahmen, wie das Verschieben von Arbeitsaufgaben und -abläufe in Zeiten geringer solarer Exposition sind im Kita-Alltag nicht möglich. Lesen Sie hier unsere Tipps zu individuellen Verhaltensmaßnahmen zum Sonnenschutz und erste Hilfe Maßnahmen. Denn beim Sonnenschutz gilt: Vorbild sein und mit gutem Beispiel vorangehen, damit Kinder den richtigen Umgang mit der Sonne als selbstverständlich annehmen.

Hinter der Listennummer 5103 verbirgt sich die Bezeichnung "multiple "aktinische Keratosen", die Vorstufen des Plattenepithelkarzinoms-, sowie das Plattenepithelkarzinom", wie Hautkrebserkrankungen, die durch langjährige UV-Strahlung der Sonne auch "arbeitsbedingt" verursacht werden können, genannt werden. Mit Wirkung zum 01.01.2015 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) diese neue Berufskrankheit in die sogenannte Liste der Berufskrankheiten aufgenommen. Häufig kann allerdings nicht unterschieden werden, ob eine übermäßige Sonneneinstrahlung während der Arbeit oder in der Freizeit erfolgt.

Die Beschäftigten in den Kindertageseinrichtungen und die Kinder halten sich selbstverständlich im Freien auf. Diese "Outdoor"-Aktivitäten beschränken sich jedoch nicht auf die Freizeit sondern finden auch im Kita-Alltag statt. Umso wichtiger ist es daher, dem Hautkrebs schon frühzeitig und umfassend mit geeigneten Schutzmaßnahmen zu begegnen.

Alles TOP

In Paragraf 3 des Arbeitsschutzgesetzes ist eine der wichtigsten Pflichten des Arbeitgebers benannt: Er muss "die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten (und Kinder) bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen."

Durch einen guten Sonnenschutz kann von UV-Strahlung ausgelöster Hautkrebs verhindert werden. Die Träger von Kindertageseinrichtungen sollten die Prüfung und Auswahl geeigneter, individueller Sonnenschutzmaßnahmen in die entsprechende Gefährdungsbeurteilung aufnehmen. Die Rangfolge der Schutzmaßnahmen gegen solare UV-Strahlung folgt, wie schon erwähnt, nach dem klassischen Präventionsprinzip mit folgender Rangfolge: "Technisch-Organisatorisch-Persönlich", kurz TOP.

Auf den Index

Noch bevor es in den sommerlich-sonnigen Außenbereich zum Spielen geht, sollte der Blick in den Himmel und dann auf den UV-Index erfolgen. Der UV-Index beschreibt den am Boden erwarteten Tagesspitzenwert der sonnenbrandwirksamen UV-Bestrahlungsstärke. In Deutschland werden im Sommer durchschnittlich UV-Indexwerte bis acht erreicht. Je höher der UV-Index an einem Tag ist, desto schneller kann bei ungeschützter Haut ein Sonnenbrand auftreten.

UV-IndexBelastungSchutzmaßnahmen
1-2niedrigkeine Schutzmaßnahmen erforderlich.
3-5mittelSchutz erforderlich:
• während der Mittagsstunden Schatten aufsuchen
• entsprechende Kleidung, Hut und Sonnenbrille tragen
• für unbedeckte Haut Sonnenschutzmittel mit ausreichendem Lichtschutzfaktor verwenden.

6-7hoch
8-10sehr hoch

Schutz absolut notwendig:

• In der Mittagszeit möglichst nicht draußen aufhalten!
• Unbedingt Schatten aufsuchen!
• Entsprechende Kleidung, Hut, Sonnenbrille und Sonnencreme mit ausreichendem Lichtschutzfaktor sind dringend nötig.

11 und höher
extrem

Tabelle: Der UV-Index mit den jeweiligen Belastungsgrößen und Schutzmaßnahmen.

Die UV-Strahlenbelastung ist in der Mittagszeit, also von ca. 11 bis 16 Uhr MESZ, am höchsten. Weitere Informationen zum UV-Index finden Sie im Internet beim Bundesamt für Strahlenschutz: http://www.bfs.de.

Wenn der UV-Index mehr als zwei beträgt, ist Handlungsbedarf angezeigt. Bei den geeigneten Maßnahmen sind hier der textile Sonnenschutz und die kosmetischen Sonnenschutzmittel zu nennen.

  • Zur organisatorischen Vorbereitung ist es ratsam, im Einvernehmen mit den Eltern sicherzustellen, dass die Kinder an sonnigen Tagen geeignete Kleidung tragen (Hut, lange Ärmel, ggf. auch lange Hosen, geschlossene Schuhe – keine Sandalen) und schon zu Hause mit Sonnenschutzmitteln eincremt werden.

Her mit dem Stoff!

Körperbedeckende Kleidung hat den Vorteil, dass die Sonne möglichst wenig Angriffsfläche vorfindet. Heute gibt es Kleidung mit Ultraviolettlicht-Protektionsfaktors (UPF). Eine Mütze mit möglichst großem Schirm oder ein Sonnenhut mit breiter Krempe ergänzen den Sonnenschutz und beschatten das Gesicht optimal. Sonnenschutz bedeutet aber auch Augenschutz: Eine Sonnenbrille mit hohem UV-Schutz gehört an sich zur persönlichen Ausstattung. Für Kinder in Kindertageseinrichtung vielleicht (noch) nicht selbstverständlich und praktikabel. Insbesondere wegen der damit verbundenen Gefährdungen beim Spielen und Toben.

Doch für die Beschäftigten sollte der Arbeitgeber durchaus prüfen, inwieweit Sonnenbrillen als PSA (persönliche Schutzausrüstung) erforderlich sind.

Gut geschützt durch:

  • Hut, Kappe oder Tuch als Kopfbedeckung, für ausreichenden Schutz für Gesicht und Nacken sorgen
  • weit geschnittene Hosen, die und möglichst lang sein sollten, tragen
  • bequeme und den Fußrücken vollständig bedeckende Schuhe tragen Espandrilles: ja. Sandalen: nein.

Wie geschmiert …?

Bei der Wahl des geeigneten Sonnenschutzmittels steht für die meisten Sonnenschutzcreme an erster Stelle. Sonnencreme ist jedoch gegenüber allen anderen Maßnahmen immer das letzte Mittel der Wahl, da sie einige Unzulänglichkeiten hat: Sie muss dick und flächendeckend aufgetragen und bei starkem Schwitzen muss immer wieder nachgecremt werden. Im Verbund mit den "zuverlässiger" wirkenden Sonnenschutzmaßnahmen (Verschattung, Bekleidung) kann Sonnenschutzcreme aber grundsätzlich verwendet werden, weil Sonnenschutzcreme die unbedeckten Teile des Körpers schützt.

Im Kitabereich kommt bei der Sonnenschutzcreme ein weiterer besonderer Aspekt hinzu. Sonnencreme zählt nicht zu den Medikamenten, welche Kindern durch die pädagogischen Fachkräfte verabreicht werden können. Wegen möglicher Wechselwirkungen besteht die Wahrscheinlichkeit von allergischen Reaktionen auf bestimmte Inhaltsstoffe der Sonnenschutzcremes. Eine entsprechende Rücksprache mit den Eltern muss daher erfolgen.

Aufgrund des organisatorischen Aufwands muss auch in Frage gestellt werden, ob jedes Kind seine eigene Creme mit zu bringen hat. Ein Produkt für alle ist aus pragmatischer Überlegung sicherlich anzustreben. Im Einzelfall wird es immer wieder mal Unverträglichkeiten geben. Bei der Wahl eines geeigneten, möglichst allgemein gut verträglichen Produktes, kann der Betriebsarzt oder die Betriebsärztin beraten.

Unabhängig von vorstehenden Überlegungen sollte Sonnencreme für Kinder mindestens den Lichtschutzfaktor 30 besitzen. Wichtig ist auch, dass Sonnencreme sowohl gegen UV-B- als auch gegen UV-A-Strahlen wirksam ist. Eine entsprechende Kennzeichnung ist auf der Verpackung vermerkt.

Tipps für die Verwendung von Sonnenschutzmitteln:

  • Alle Hautareale, die unbedeckt bleiben, eincremen. Lippen nicht vergessen!
  • Eine gleichmäßig dicke Schicht auftragen: Viel hilft viel!
  • Vor dem Aufenthalt in der Sonne auftragen, mindestens eine halbe Stunde vorher.
  • Nach spätestens zwei Stunden sowie nach dem Baden erneut eincremen.
  • Verwenden Sie einen möglichst hohen Lichtschutzfaktor.
    Der Lichtschutzfaktor LSF mit ihrer Eigenschutzzeit des jeweiligen Hauttyps multiplizieren, daraus ergibt sich die unbedenkliche Aufenthaltszeit in der Sonne. (Bsp: Eigenschutzzeit des Hauttyps beträgt etwa zehn Minuten. Mit LSF 30 könnte dann theoretisch 300 Minuten (10 Minuten x 30) der Aufenthalt in der Sonne betragen, ohne sich zu verbrennen).
    Achtung: Der volle für die Sonnencreme angegebene Lichtschutzfaktor wird nur selten erreicht, da die dafür notwendige Menge an Sonnencreme tatsächlich nur selten aufgetragen wird. Empfehlung: Die Maximalzeit nur 60%ig ausnutzen. Für obiges Beispiel bedeutet dies, lediglich 180 Minuten Aufenthalt in der Sonne. Hauttypbestimmung
  • Sonnenschutzmittel schützen vor Sonnenbrand. Allerdings lassen sie geringe Mengen an UV-Strahlung durch. Daher sind sie nur bedingt zur Prävention von Hautkrebs geeignet. Bei empfindlicher Haut lieber in den Schatten gehen oder die Haut durch lange Kleidung schützen.
  • Medikamente können die Haut lichtempfindlicher machen können.

Auf regelmäßige Haut-Vorsorgeuntersuchungen achten. Übrigens: Was die Sonne ohne entsprechenden Sonnenschutz mit unserem Haupt macht, kann mit der App "Sunface – UV-Selfie“ simuliert werden.

Erste Hilfe bei Sonnenbrand, Hitzschlag und Sonnenstich

Sonnenbrand

Spätestens an folgenden Symptomen erkennt man, ob Kinder und Beschäftigte zu großer Sonneneinstrahlung oder Sonnenhitze ausgesetzt waren:

  • Die Haut ist wie bei einer Verbrühung oder Verbrennung gerötet.
  • Die betroffenen Hautbereiche fühlen sich heiß an, schmerzen und können anschwellen.
  • Die Haut ist gespannt, bei Berührung sehr empfindlich und fängt häufig zu jucken oder zu brennen an.
  • Bei einem schweren Sonnenbrand (Verbrennung 2. Grades) entstehen (Brand-) Blasen, die von einem Arzt oder einer Ärztin behandelt werden müssen.
  • Bei Übelkeit und Kreislaufschwierigkeiten sollte eine ärztliche Behandlung erfolgen.

Entsprechende Maßnahmen bei Sonnenbrand:

  • Raus aus der Sonne! Aufenthalt im Schatten.
  • Regelmäßige Kühlung mit (nicht zu) kalten feuchten Umschlägen aus Kräutertees, Joghurt oder Quark. Keine "Hausmittel" wie Puder, Mehl, Fettsalbe oder Öl verwenden. Kühlpacks aus dem Gefrierfach können die Haut noch mehr schädigen!
  • Geeignete kühlende Lotionen, Feuchtigkeitscremes und Gels können die Haut beruhigen und zur Gesundung beitragen. Achtung: Unverträglichkeiten vorab prüfen!
  • Die gereizten Hautstellen sollten keiner Reibung (entsprechend leichte oder gar keine Kleidung), also am besten der Luft ausgesetzt sein.
  • Reichlich trinken.

Hitzschlag

Bei einem Hitzschlag ist der gesamte Körper betroffen. Eine körpereigene Kühlung (Schwitzen) ist nicht mehr möglich. Typisch auch bei feuchtwarmer, schwüler Witterung. Bei folgenden Merkmalen besteht der Verdacht auf einen Hitzschlag:

  • Die betreffende Person hat einen hochroten Kopf, die Haut ist errötet, heiß und trocken (anfangs rot, im weiteren Verlauf grau bzw. bläulich), ohne Schweiß.
  • Der Gesichtsausdruck ist stumpf, der Gang unsicher, taumelnd. Die Körpertemperatur ist sehr hoch (über 40 °C).
  • Die betreffende Person hat Kopfschmerzen, die Atmung ist schnell und flach. Es können Bewusstseinsstörungen auftreten. Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall und muss rasch vom Notarzt oder in der Notaufnahme eines Krankenhauses behandelt werden.

Entsprechende Maßnahmen bei Hitzschlag:

  • Aufenthalt im Schatten
  • ruhig liegen bleiben und gekühlt (aber nicht unterkühlt) werden
  • Beengende Kleidung entfernen, die Beine hoch legen.
  • Flüssigkeit zuführen (nicht bei Bewusstlosigkeit). Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten.

Sonnenstich

Der Sonnenstich ist die Folge einer längeren und direkten Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf und Nacken.

Merkmale und Maßnahmen bei Sonnenstich:

  • Hochroter und heißer Kopf, obwohl die Körperhaut kühl bzw. normal warm und die Körpertemperatur ebenfalls normal ist.
  • Die Person ist unruhig und verwirrt und klagt über stechende Kopfschmerzen, Schwindel oder Ohrensausen.
  • erbrechen
  • steifer Nacken
  • Kreislaufbeschwerden bis hin zur Bewusstlosigkeit
  • Bei Bewusstlosigkeit sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen ergreifen und den Notarzt rufen. Die Person muss sofort aus der Sonne und ruhig liegen. Den Kopf erhöht lagern und (auch den Nacken) mit feuchten, lauwarmen Tüchern sanft kühlen (jedoch: nicht unterkühlen!).

Weitere Informationen: