Pädagogische und organisatorische Maßnahmen zur Lärmminderung

Wenn die dargestellten baulichen Veränderungen nicht ausreichen, können auch pädagogische und organisatorische Maßnahmen wichtig werden.

Dabei sollte ein wesentliches Augenmerk zunächst auf die Sprechlautstärke von Kindern und Erzieherinnen und Erziehern gerichtet werden. Wenige, einfache Regeln die eingeführt und konsequent eingehalten werden, tragen wesentlich zur Lärmminderung und zur Förderung einer Kultur des aufmerksamen und anerkennenden Zuhörens bei. Wichtig ist dabei, dass diese Regeln auf die jeweiligen Erfordernisse der Kindertageseinrichtung abgestimmt, im Konsens mit dem gesamten Mitarbeiterteam vereinbart und konsequent eingehalten werden - so werden sie für die Kinder zur Selbstverständlichkeit. Verbindliche Regeln der Kommunikation wie "Wenn einer redet, hören die anderen ihm zu" und "Wir fallen uns nicht ins Wort" können gemeinsam mit den Kindern erarbeitet, in übersichtlicher und für alle verständlicher Form visualisiert und im Raum aufgehängt werden - so genügt ein kurzer Hinweis zur Erinnerung. Hierbei ist zu bedenken: Erzieherinnen sind Vorbilder für gutes Zuhören - und dies in jedem Augenblick. Wer selbst nur "mit halbem Ohr" hinhört, statt sich dem Kind ganz zuzuwenden, es womöglich unterbricht oder Äußerungen vorschnell interpretiert - kurz, wer sich selbst sich nicht wirklich auf Kommunikation einlässt, kann Kinder nicht zu achtsamen Zuhörern erziehen.

Grundsätzlich gilt - dies mag trivial erscheinen, kann aber nicht oft genug betont werden - Ruhe abwarten und Aufmerksamkeit herstellen, statt mit lauter Stimme gegen den Lärm anzureden.

Durch die Beschäftigung mit dem Thema Lärm können den Kindern die Ursachen und die Beeinträchtigungen von Lärm verständlich gemacht werden. Die Kinder können eigene Erfahrungen mit Lärmbelastungen machen, Lärmursachen herausfinden und gemeinschaftliche Lösungen zur Abhilfe finden.  

Im Rahmen dieser Beschäftigung kann ergänzend die Nutzung einer so genannten "Lärmampel" oder eines "SoundEar" sinnvoll sein. Hierbei handelt es sich um Pegelmessgeräte in Form einer kleinen Verkehrsampel bzw. eines Ohres. Bei zu hohen Pegeln schaltet das Gerät erst auf gelb, dann auf rot - eine Rückmeldung für die Kinder, die für den Lärm sensibilisieren soll. Allerdings ist der Effekt meist nicht von Dauer - ein Wechsel zwischen mehreren Kindertageseinrichtungen ist daher sinnvoll und senkt die Anschaffungskosten.

Sensibilisierung für Lärm mit Hilfe eines „Soundears"
Kinder im Gruppenraum. Im Hintergrund an der Wand ein Soundear

Ruhezeichen können eingeführt werden: Der Beginn einer ruhigen Phase kann durch einen Triangelton, Gong o. ä. signalisiert werden, anschließend wartet die Erzieherin solange, bis Ruhe eingekehrt ist.
Darüber hinaus sollten spezifische Handzeichen vereinbart werden, evtl. auch mit Handpuppen, die auch von den Kindern selbst ausgeführt werden, wenn es zu laut wird.  Sind die Kinder unruhig und unaufmerksam, so kann ein kurzes Sing- und Bewegungsspiel - bei dem es auch laut werden darf - sehr dazu beitragen, Ruhe und Aufmerksamkeit wieder herzustellen.  Neben Räumen zur gemeinschaftlichen Bewegung und zum Gruppenspiel sind Räume für Ruhephasen mit Möglichkeiten zur Entspannung wichtig.  Dass die Kinder in der Einrichtung ihre Hausschuhe tragen und so zur Lärmminderung beitragen, ist in den meisten Einrichtungen bereits selbstverständlich.

Ergebnisse einer Gruppenarbeit im Seminar „Ruhe bitte!“

Tipps für den Kita- Alltag

  • Zeiten einplanen, in den die Kinder auch mal laut sein dürfen
  • In Spielzeugkisten Filz oder Teppichboden einkleben
  • Für Tischkicker oder Tischtennis Softbälle verwenden
  • Die Kinderzahl für bestimmte Bereiche begrenzen
  • Das Raumangebot nach der Lautstärke anordnen
  • Alle Räume, auch Nebenräume, in die Nutzung einbeziehen
  • Gummierte Tischdecken verwenden
  • Teilflächen der Wände mit Teppichboden verkleiden
  • Möglichst viele Aktivitäten im Freien
  • Häufiger in Kleingruppen arbeiten
  • Triangel oder „Tonwunder“ als Signal einsetzen
  • In der Mittagszeit keine Abholzeit einrichten
  • In der Mittagszeit Telefongespräche auf einen Anrufbeantworter schalten
  • Die Essenszeiten nach Gruppen entzerren
  • Den Erzieherinnen und Erzieher die Möglichkeit geben, sich bei Bedarf für einige Minuten zurückzuziehen

Spiele, Rituale und Regeln

  • Klare Regeln und Grenzen setzen, die im Team möglichst einheitlich angewandt werden
  • Regeln mit den Kindern zusammen erarbeiten und gemeinsam gestalterisch z.B. mit Bildern darstellen
  • Spiele wie Schlafkönig oder Schreikönig
  • Rituale für Brückenzeiten z.B. Raumwechsel: Die Erzieherin nachmachen, Schleichen, Fingerspiele, Reim, Singen
  • Gesten, Zeichen, akustische Signale vereinbaren: Erzählstein, „Mund zu, Ohren auf, pscht…“, Glocke, Triangel…

Was können Erzieherinnen und Erzieher selbst für sich tun?

  • Kurze Auszeiten zwischendurch
  • Sich erden, bewusst atmen
  • Eine Ampel an der Gruppenraum- oder Bürotür anbringen
  • Eine Entspannungspädagogin im Team kann unterstützen
  • Supervision
  • Gemeinsame Entspannungsübungen von Erzieherinnen/Erziehern und Kindern
  • Bei der Techniker Krankenkasse ist eine Entspannungs-CD erhältlich
  • Reduktion von aufwändigen Verpflichtungen z.B. weniger Feste im Jahr durchführen oder diese von den Eltern organisieren lassen
  • Ausgleich und Entspannung in der Freizeit suchen wie Naturspaziergänge, Yoga, Sport oder Entspannungsübungen
  • Prioritäten setzen: Was ist wichtiger, was ist wichtig, was kann auf später verschoben werden
  • „Ich muss nicht immer…“

     

Sollten Sie weitere organisatorische und pädagogische Maßnahmen erfolgreich erprobt haben, freuen wir uns über Ihre Rückmeldung per E-Mail an o.rickes[at]ukh.de Wenn sie auf andere Einrichtungen übertragbar sind, werden wir sie gerne in diesen Beitrag aufnehmen.