Maßnahmen an Räumen und Einrichtung zur Senkung des Lärmpegels

Die Gestaltung der Gebäude und der Raumeinrichtung kann in mehrfacher Hinsicht Ursache für erhöhte Lärmpegel sein.

  • Die Räume sind schlecht untereinander oder gegen die Außenwelt schallgedämmt. Dann kann es zu Beeinträchtigungen durch Straßenverkehr, Fluglärm oder durch Geräusche aus Nachbarräumen kommen. Technische Anlagen wie Lüftungen können ebenfalls störend wirken.
  • Türen sind häufig nicht ausreichend schallgedämmt. Ein ruhiger Betrieb oder eine ruhige Pause wird in Räumen mit schlecht dämmenden Türen erschwert.
  • Beim Entleeren von Bauklotzbehältern kann es sehr laut werden. Auch viele andere Spielzeuge oder Musikinstrumente können erhebliche Lärmbelästigungen mit sich bringen.
  • Stühle und Tische ohne Filzgleiter führen zu unangenehmen Quietschgeräuschen.
  • Bei der Nutzung von Hochebenen ohne Trittschalldämmung entsteht ein unangenehmes Poltergeräusch.
  • Sind Räume hallig, das heißt die Raumakustik ist mangelhaft, schwillt der Lärmpegel unverhältnismäßig an und die Sprachverständlichkeit verschlechtert sich.

Einfluss und Optimierung der Raumakustik

Schaubild Reflexionsarten des Schalls

Soll eine der Sprachentwicklung von Kindern förderliche Umgebung geschaffen werden, sollen die Arbeits- und Entwicklungsbedingungen gesundheitsförderlich und stressarm gestaltet werden, bedarf es einer optimierten Raumakustik.  
Eine gute Raumakustik für einen Gruppenraum zeichnet sich dadurch aus, dass mehrere Personen oder Personengruppen sich in einem Raum mit ruhiger Sprache deutlich und klar verständigen können. Die Akustik ähnelt dann der in freier Umgebung auf einer Wiese.  
Im Unterschied zur Wiese hat ein Raum Begrenzungsflächen. Diese sind Wände, Decke, Fußboden, die auf unterschiedliche Weise die auftreffenden Schallwellen mehr oder weniger stark schlucken (absorbieren) oder zurückwerfen (reflektieren). Das Maß der Absorption oder Reflexion hängt von den verwendeten Stoffen ab.

Harte und dicke Stoffe wie Beton oder Mauerwerk reflektieren die Schallwellen fast vollständig. Der so genannte Schallabsorptionsgrad ist nahezu null. Dies trifft für Töne von tiefen bis zu hohen Frequenzen zu.
Harte aber dünne Stoffe wie Glasflächen oder Holzplatten reflektieren besonders hohe Frequenzen, tiefe Frequenzen werden nach außen durchgelassen. Deshalb hört man von einem Auto, in dem eine Musikanlage dröhnt, neben dem Motorengeräusch hauptsächlich die Bässe.
Materialien, die dünn sind und Poren haben, wie Teppiche, oder auch Stoffe, absorbieren Schallwellen gut, allerdings nur die hohen Frequenzen. Damit ein Stoff mit offenen Poren wie Schaumstoff auch tiefe Frequenzen absorbiert, muss er sehr dick sein. Schaumstoffe oder Mineralwolle haben einen Schallabsorptionsgrad bei hohen Frequenzen von fast eins.  

Man kann sich nun gut vorstellen, dass in einem Raum, der sehr viele reflektierende Flächen und zu wenig absorbierende Flächen hat, der Schall zwischen den reflektierenden Flächen hin und hergeworfen wird und sich somit die Lautstärke erhöht und das Gesprochene undeutlich wird.  

Die Zeit, die vergeht bis in einem Raum die Schallenergie eines Signals auf ein Millionstel oder anders gesagt um 60 dB gefallen ist, heißt Nachhallzeit.  

Je niedriger die Nachhallzeit in einem Raum ist, desto besser ist die Sprachverständlichkeit.  

Einfluss auf die Nachhallzeit haben auch Einrichtungsgegenstände und anwesende Personen. Jeder kennt aus eigener Erfahrung wie hallig ein Raum wird, wenn er leer geräumt ist. Besonders Stoffe, Polster, Bücher sind schallabsorbierend. Auch Menschen wirken durch ihre Kleidung absorbierend.

  • Die Norm DIN 18041 "Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen" legt die Sollwerte der Nachhallzeit fest. Ausführliche Berechnungen, die entsprechende Formeln dazu und die daraus resultierende optimale Nachhallzeit für die jeweiligen Raumgrößen, werden in den Erläuterungen zu der Norm beschrieben.

Maßnahmen für eine optimale Nachhallzeit

Akustikdecke

Zur Regulierung der Nachhallzeit hat sich der Einbau von geeigneten Akustikdecken am besten bewährt. Eine fachgerecht ausgeführte Akustikdecke aus hochabsorbierendem Material ist in einem Gruppenraum mit üblicher Einrichtung in der Regel geeignet, um eine optimale Nachhallzeit zu erreichen.
Besonderes Augenmerk ist auf die Dämpfung der tiefen Frequenzen zu legen. Akustikdecken bestehen häufig aus gepresster Mineralwolle. Diese hat bei tiefen Frequenzen ein schlechteres Absorptionsvermögen. Es ist daher vorher zu berechnen, welche Tiefe des Deckenhohlraums erforderlich ist und in welchem Ausmaß zusätzliche Bassabsorber in die Deckenkanten eingebracht werden müssen.

Gipskartonlochdecken können ebenfalls für eine optimale Raumakustik sorgen. Voraussetzung ist auch hier die richtige Planung durch eine Fachkraft, d. h. die vorherige Berechnung der erforderlichen Lochanteile, des Deckenhohlraums und der Dicke der Mineralwolleschicht auf der Plattenoberseite.  

Eine Akustikdecke alleine reicht jedoch dann nicht aus, wenn die Räume ungewöhnlich hoch sind. Bei Raumhöhen über 3 m ist es meist erforderlich, zusätzliche Wandabsorber zu montieren.  

Räume, die so spärlich möbliert sind, dass sich nackte Wandflächen gegenüber liegen, benötigen ebenfalls zusätzlich zur Akustikdecke Wandabsorber. Diese verhindern so genannte Flatterechos und verbessern so die Raumakustik deutlich.  In diesen Fällen und immer dann, wenn die Architektur der Räume von den üblichen Maßen und Formen abweicht, empfiehlt sich die Beratung und Planung durch eine Fachkraft für Raumakustik.

In manchen Räumen wird eine niedrige Nachhallzeit gemessen, obwohl keine Akustikdecke vorhanden ist. Die niedrige Nachhallzeit ist dann in der Regel auf die besonders intensive Einrichtung mit schallabsorbierenden Polstermöbeln und Spielsachen zurückzuführen. Wird der Raum später umgestaltet, kann es zu einer lauten Überraschung kommen.  

Der Einbau von Akustikdecken ist auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten meist die günstigste Lösung. Dies gilt besonders für Neu- und Umbauten. Wenn der Einbau einer Akustikdecke nicht möglich ist, weil z. B. die Decke unter Denkmalschutz steht oder eine ausgefallene Geometrie aufweist, muss auf Ersatzmaßnahmen zurückgegriffen werden. Dann kommen Absorber in Frage, die in den Raum gehängt oder gestellt werden. Häufig handelt es sich dabei um Platten oder Würfel aus einem schallabsorbierenden Schaumstoff. In Gruppenräumen zulässig ist nur der Einsatz von schwerentflammbaren und ungiftigen Stoffen. Häufig wird für diese Zwecke der Melaminharzschaumstoff "Basotect™" von BASF eingesetzt. Basotect wird auch unter dem Namen Abacustica vertrieben.

Zur Erzielung einer optimalen Nachhallzeit ist die erforderliche Menge jedoch so groß, dass die Maßnahme leicht zehntausend Euro oder mehr kostet und ästhetische Ansprüche oft nicht befriedigt werden. Mit Platten, die eine Dicke unter 10 cm haben, wird es zudem kaum gelingen, die tiefen Frequenzen ausreichend zu dämpfen.

In den beiden folgenden Beispielen reicht die eingebrachte Menge Basotect nicht aus um die optimale Nachhallzeit zu erreichen.

Würfel aus Melaminharzschaumstoff
Platten aus Melaminharzschaumstoff

Alle Räume, die dem Aufenthalt der Kinder oder Beschäftigen dienen, müssen in die Maßnahmen zur Raumakustik einbezogen werden. Dies gilt für Mehrzweckräume, Flure, Esszimmer, Ruheräume, Besprechungszimmer, Waschräume und ggf. Küche. Grenzt an einen akustisch einwandfreien Gruppenraum ein halliger Flur, ist mit einem erheblichen Schalleintrag in den Gruppenraum zu rechnen. Flure werden zudem oft als Spielflure genutzt, und müssen schon allein aus diesem Grund wie ein Gruppenraum gewertet werden.

Weitere Tipps zur Raumgestaltung

  • Räume mit mobilen und möglichst schallabsorbierenden Elementen in Bereiche aufteilen. Dies können z. B. Regale sein, deren Rückseiten mit Teppichboden oder Wandabsorbern belegt sind.
  • Fensterbänke, Regalbretter, Tische und Stühle können auf den Unterseiten mit Filz oder Teppichstücken belegt werden. Gleiches gilt für die Rückwände von freistehenden Schränken und Regalen.
  • Styropor oder Kork sind nicht zur Schalldämpfung geeignet, da sie geschlossene Poren haben und die Schallwellen nicht eindringen können.
  • Teppichboden, Vorhänge, Stoffe aller Art wirken nur bei hohen Frequenzen schallabsorbierend. Sie können eine fachgerechte Akustikdecke ergänzen, aber nicht ersetzen.
  • Erhöhte Spielebenen und ihre Zugänge sollten mit Trittschalldämmung versehen werden.
  • In besonders lauten Bereichen wie Bauecken kann ein Teppich ausgelegt werden.
  • Spielzeugkisten können mit Filz ausgelegt werden.
  • Für Ruheräume empfiehlt sich der Einbau von Schallschutztüren.
  • Belüftungsanlagen sorgen in Kitas in lauten Umgebungen dafür, dass die Fenster nicht regelmäßig geöffnet werden müssen.
Tennisbälle als "Lärmstopper"
Teppichboden als Absorber
Leise Bauklötze aus ummanteltem Schaumstoff

Auch in Räumen mit optimaler Nachhallzeit kann es laut sein! Der direkte Schall ist ja weiterhin vorhanden und 20 oder mehr Kinder im Freispiel bedeuten meist mittlere Schallpegel von 75 dB(A) oder mehr. Dies ist besonders dann der Fall, wenn die Räume für die vorhandene Anzahl der Kinder relativ klein sind. Wenn trotz guter Raumakustik die Lärmbelastungen weiterhin als zu hoch empfunden werden, sollten weiteren Maßnahmen aus dem organisatorischen und dem pädagogischen Bereich folgen.