Feiern in der Kita

Janine Dammertz-Bachiri / pixelio.de
Sommerfest mit verschieden farbigen Lampions

Kurz vor der Ferienzeit steht für viele Kindertagesstätten ein Highlight des Jahres an: das Sommerfest. Nicht zuletzt wegen der  Verabschiedung der künftigen Erstklässler kommen Kindergartenkinder, Geschwister, Eltern und Großeltern in lockerer Atmosphäre zusammen.
Für das Team in der Kindertageseinrichtung gehört eine solche Veranstaltung zur jährlich wiederkehrenden "Routine", bei der es entsprechend des geplanten Umfangs immer einer guten Vorbereitung durch die Leitung und das Team bedarf. Aber neben der Organisation von Festablauf, Verpflegung und Ausstattung  stellt sich mitunter auch die Frage: Wer haftet eigentlich für was, wenn ...?

Eigentlich sind die Belange von Verantwortung, Haftung und Aufsicht im Kita-Alltag hinlänglich bekannt und praktiziert. Im Hinblick darauf stellt die Ausrichtung eines Sommerfestes für die Kita-Leitung keine komplizierte (?) Aufgabe dar.  

Mit diesem Beitrag möchten wir auf die grundsätzlichen Aspekte und Maßnahmen im Rahmen der Veranstaltung hinweisen, die von der Kitaleitung und den an der Planung und Ausführung beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern berücksichtigt werden sollten.

Wie verhält es sich mit dem Versicherungsschutz…

Bei Vorbereitung und Durchführung ist es wichtig, den grundsätzlichen Hintergrund der Veranstaltung zu definieren. Je nachdem, ob es sich um ein Fest der Einrichtung für die Kinder und deren Eltern handelt oder lediglich die Räumlichkeiten der Kindertageseinrichtung zur Verfügung gestellt werden, muss jeweils der (versicherungs-)rechtliche Rahmen bekannt sein.  Daher soll in diesem Zusammenhang auf die Besonderheiten des Versicherungsschutzes hingewiesen werden soll. Der Versicherungsschutz durch die gesetzliche Unfallversicherung besteht bei allen von der Kita organisierten und beaufsichtigten Veranstaltungen. Im Übrigen genießen auch die mithelfenden Eltern im Rahmen ihrer Tätigkeit für das Ausrichten und Gelingen des Festes den gleichen Versicherungsschutz. Mit diesem Versicherungsschutz verbunden ist gleichzeitig die Eigenschaft, dass Schmerzensgeldansprüche ausgeschlossen sind, wenn bspw. durch Unachtsamkeit versicherte Personen einen Körperschaden erleiden.

Allerdings sind Geschwister, und auch Freunde und andere Gäste, die am Kita-Fest teilnehmen, nicht gesetzlich unfallversichert. Werden diese Personen bei einem Unfall verletzt, erhalten sie die Heilbehandlung in der Regel von der Krankenversicherung. Trotzdem wird irrtümlich angenommen, dass auch die Geschwisterkinder automatisch gesetzlich unfallversichert sind.

siehe auch:
Elternmitarbeit in Kitas und Schulen
Besucher- und Schnupperkinder
Feste und Gäste, Versicherungsschutz bei Kita-Festen und -Ausflügen

…und der Aufsicht?

Dies lässt sich im alltäglichen Kita-Ablauf leicht beantworten, denn hier werden die Kindergartenkinder durch den Betreuungsvertrag während des Aufenthaltes in der Einrichtung durch das pädagogische Personal beaufsichtigt.

Bei einem Verletzungsgeschehen während eines Festes oder Veranstaltung stellt sich schnell die Frage nach womöglich pflichtwidrig unterlassener Aufsicht. Die Rechtslage ist hier eindeutig: Erzieherinnen und Erzieher sind nur für die der Einrichtung angehörigen Kinder sowie die an den Spielen teilnehmenden Kinder verantwortlich. 

Losgelöst von dieser entlastenden Rechtsprechung ist die Kitaleitung gut beraten, im Vorfeld auf die elterliche Aufsichtspflicht hinzuweisen. Bei der Einladung zu Festen und Veranstaltungen in der Kita sollte darauf geachtet werden, dass dabei keine Formulierungen enthalten sind, aus der die Eltern schließen könnten, ihr Kind sei durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter permanent beaufsichtigt.  Sinnvoll ist grundsätzlich der Hinweis, dass beim Fest die Aufsichtspflicht bei den Eltern oder bei den erwachsenen Begleitpersonen des Kindes liegt. Dies gilt insbesondere für die Geschwisterkinder.

  • Das folgende Beispiel soll die einzelnen aufsichtlichen Zuordnungen aufzeigen:
    Die Kinder bereiten sich im Gruppenraum unter Mitwirkung einer Erzieherin auf eine Aufführung vor. Die Eltern sehen als Publikum der Darbietung erwartungsfroh entgegen. In diesem Fall hat die Erzieherin die Aufsichtspflicht übernommen, obwohl die Eltern in der Einrichtung sind. Am Ende der Darbietung werden die Kinder aufgefordert, wieder zu Ihren Eltern zu gehen, womit auch in diesem Moment die Aufsichtspflicht auf die Eltern übertragen wird.
    Von Bedeutung sind immer Klarheit und Eindeutigkeit bei der Übergabe von einem in den anderen Aufsichtsbereich.

Sind ausreichend Aufsichtsführende und Aufenthaltsbereiche für Besucher festgelegt?

Mit zu den To-Do's im Vorfeld einer Veranstaltung gehört es, zuvor mit prüfendem Blick die Lokalität zu begutachten. Den Einrichtungskindern und natürlich dem pädagogischen Personal sind die örtlichen Gegebenheiten sicherlich vertraut - was sicher nicht unbedingt auf die Gäste und andere Personen zutreffen mag.  Es besteht keine Verpflichtung der Eltern, sich in jedem Fall einen Überblick über das Gelände, auf dem sich ihre Kinder aufhalten und über die dort befindlichen Gefahren zu verschaffen. Vielmehr können Sie davon ausgehen, dass das Gelände und die Räumlichkeiten der Einrichtung ohnehin eine erwartungsgemäße Gefahrenfreiheit aufweisen müssen.

Grundsätzlich sind daher alle Vorkehrungen zu treffen, damit das Gelände und die Räumlichkeiten der Einrichtung diese Erwartungen erfüllt. Diese Anforderung ergibt sich ohnehin durch die alltägliche Nutzung.

Diese Verkehrssicherungspflicht bezieht sich sowohl auf Kinder der Einrichtung als auch auf die Besucher. Um prinzipiell Haftungsansprüche von Dritten im Schadensfall vorzubeugen, sollte diese "Gefahrenschau" nicht außer Acht gelassen werden. Die möglichen Gefahrenquellen - insbesondere für einrichtungsfremde Personen - müssen daher beseitigt bzw. dem Einrichtungsträger rechtzeitig mitgeteilt werden.

Ähnliches gilt auch, wenn Räumlichkeiten wie Gruppenräume oder Bewegungsraum zwar zugänglich sind, aber eine entsprechende Aufsicht nicht gewährleistet ist. Hier ist im Vorfeld abzuwägen, ob nur bestimmte, für das Fest notwendige Bereiche zur Verfügung stehen und der Zutritt zu nicht öffentlichen Bereichen (z.B. Putzraum) verhindert wird. 

Aber auch im Außenbereich sollten bestimmte Bereiche, die nicht unter Aufsicht stehen, gegebenenfalls tabu sein. Spielgeräte sind im Allgemeinen so konzipiert und konstruiert, dass bei der bestimmungsgemäßen Benutzung keine besonderen Unfallgefahren bestehen. Ernsthafte Zwischenfälle können sich allerdings daraus ergeben, wenn durch Schlüsselbänder oder Fahrradhelmgurte Strangulationsgefahr droht. Im Kita-Alltag ist diesem Umstand sicherlich durch entsprechende Regelungen, z.B. in Form einer Hausordnung Rechnung getragen worden. Auch hier kann es erforderlich sein, die Erziehungsberechtigten im Vorfeld auf die Verhaltensregeln hingewiesen.

Werden für besondere Höhepunkte die einschlägigen Sicherheitsbestimmungen eingehalten?

M. Offergeld / pixelio.de
Kind im Sprung auf Hüpfburg, vollkommen blauer Hintergrund

Warum nicht mal etwas Besonderes bieten? Natürlich ist es jeder Einrichtung bei ihrer Planung selbst überlassen, welche Attraktionen das Kita-Fest bieten soll - solange die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigt werden.  Die Aufstellung von Trampolinen oder Hüpfburgen erfordern die Einhaltung von sicherheitstechnischen Vorgaben. Grundsätzlich sollte bei der Auswahl auf altersgemäße Angebote geachtet werden, auch damit die Kleinen bspw. nicht zwischen den Großen herumtoben.  Je komplexer und vor allem je ungewohnter der Umgang mit technischen Anlagen und Gerätschaften ist, desto sorgfältiger hat die entsprechende Auseinandersetzung mit den Erfordernissen zu erfolgen. Folgende Fragen sollten zumindest berücksichtigt werden:

  • Sind Bedienungsanleitung bzw. Aufstellhinweise vorhanden?
  • Existieren Erfahrungen für die sichere Nutzung bzw. kann diese jemand vermitteln
  • Sind die Zuleitungen zu eventuell notwendigen elektrischen Geräten und Einrichtungen ordnungsgemäß und geprüft?

Allerdings, bei allem gut gemeintem Ansinnen, den Kindern einen erwarteten Höhepunkt bspw. in Form von Trampolinen oder Hüpfburgen bieten zu wollen: Weniger ist da möglicherweise mehr - in jeder Hinsicht!

Dekorationen

Das gilt natürlich für die Anbringung von Dekorationen nur bedingt. Denn der festliche Rahmen wird damit in jedem Fall hervorgehoben. Die verwendeten Dekorationsmaterialien, seien es  Wimpelketten oder Lampions, die für die Ausschmückung sorgen, sollten aber nicht herabgerissen werden können. Denn so bilden sie möglicherweise am Boden Stolperstellen. Idealerweise frei im Raum hängende Ausschmückungen sollten daher einen Abstand von mindestens 2,50 m zum Fußboden haben. In jedem Fall muss darauf geachtet werden, für Ausschmückungen in Rettungswegen nicht-brennbare Materialien zu verwenden.

Stichwort Abstand zum Fußboden: Für das Anbringen in der entsprechenden Höhe sind geeignete Aufstiegshilfen erforderlich. Gegebenenfalls ist dies für die Kitaleitung ein guter Anlass, marode Leitern auszusortieren bzw. das Team darauf hinzuweisen, defekte und ungeeignete Aufstiegsmittel nicht zu verwenden.

Sicheres Grillen

Rudolpho Duba / pixelio.de
Grill beim anfeuern, Flammen schlagen empor

Bei der Benennung von besonderen Attraktionen während eines Kindergartenfestes darf das Grillen nicht vergessen werden. Leckere Würstchen oder andere Köstlichkeiten über offenem Feuer zu grillen ist in jedem Fall der kulinarische Höhepunkt.  Allerdings erleiden dabei immer wieder Kinder durch unsachgemäßen Umgang Erwachsener mit Grillfeuer schwerste Brandverletzungen. Insbesondere, wenn flüssige Brandbeschleuniger, z.B. Spiritus verwendet werden. Diese sind besonders gefährlich, denn hierbei kann es zu Verpuffungen und meterhohen und meterbreiten Flammenwänden kommen. Besonders häufig werden kleine Kinder, die in der Nähe des Grills spielen, von diesen Flammen erfasst - ein tragisches Schicksal mit lebenslangen Folgen.

Deshalb hier die Tipps zum sicheren Grillen mit Kindern: 

  • hochwertige Grillgeräte (DIN 66077) ohne Kanten kippsicher im Windschatten aufstellen, weit genug entfernt von anderen brennbaren Materialien
  • Grill nicht durch Kinder bedienen lassen
  • Sicherheitsabstand für Kinder kennzeichnen, mind. 2-3 m! Sicherung durch Gitter/Seil.
  • Grill niemals unbeaufsichtigt lassen
  • Nur Holzkohle (DIN 51749) verwenden
  • Nur feste und hochwertige Grillanzünder (DIN 66358) aus dem Fachhandel zum Entfachen des Feuers verwenden - Niemals Spiritus, Terpentin, Benzin verwenden
  • Streichhölzer und Feuerzeuge für Kinder unerreichbar aufbewahren,
  • Feuer und die Glut nach dem Grillen löschen, Kohle nicht auf den Boden schütten
  • Feuerlöscher oderKübel Sand als Löschhilfe bereit stellen
  • brennendes Fett nicht mit Wasser löschen, Gefahr der Fettexplosion
  • Grillschalen aus emailliertem Metall oder Aluminium verwenden, um abtropfendes Fett auf aufzufangen, bevor es sich entzünden kann
  • Handschuhe und Grillzangen verwenden

Siehe auch:
Faltblatt Grillen
Internetseite "Paulinchen e.V."

Zelte und Pavillons

Eben war noch strahlender Sonnenschein und im nächsten Moment ziehen dunkle Wolken auf. Um wenigstens bei einem kurzen Schauer nicht gänzlich dem Regen ausgesetzt zu sein, sind Zelte bzw. Pavillons eine sinnvolle Maßnahme.

Allerdings bieten diese bei Blitz keinen verlässlichen Schutz - Man sollte deshalb am sichersten vor dem Gewitter das Zelt verlassen und - wenn möglich - ein Gebäude aufsuchen.  Sofern Zelte und Pavillons als Sonnenschutz und schattenspendender Unterstand gedacht sind, sollten die Befestigungen mit Erdankern nicht als Stolpergefahr wirken. Entweder so tief in den Boden versenken oder mit Sandsäckchen beschweren bzw. abdecken, damit ein Drauffallen keine Verletzungen nach sich zieht.

Wenn doch etwas passiert ist…

Auch oder gerade bei einem Kindergartenfest müssen die alltäglichen Standards vorhanden sein - mindestens. Darunter ist zu verstehen:

  • Erste Hilfe
    Dazu zählt natürlich die Organisation der Ersten-Hilfe . Der obligatorische Verbandkasten C nach DIN 13157 sollte ebenso vorhanden sein wie die in Erster Hilfe ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kita. Vielleicht ein geeigneter Anlass für die Kitaleitung, die Aktualität der Ausbildung der Erst-Helfe zu überprüfen und gegebenenfalls für die Teilnahme an einem erforderlichen Auffrischungskurs zu sorgen.
  • Brandschutz
    Die Feuerlöscheinrichtungen dürfen natürlich nicht im Rahmen von Dekorierungen und räumlichen Umgestaltungen verdeckt oder gar schwer erreichbar sein. Das gilt auch für die Kennzeichnung der Flucht- und Rettungswege, die weder versperrt oder gar verschlossen sein dürfen.
  • Rettungswege
    Damit die Feuerwehr im Brandfall die Veranstaltungsstätte schnell erreichen kann, müssen sämtliche Rettungswege auf dem Grundstück sowie Zufahrten, Aufstell- und Bewegungsflächen für Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr, Sanitäts- und Rettungsdiensten ständig frei gehalten werden. Auf die freizuhaltenden Wege und Flächen ist durch Schilder und gegebenenfalls Bodenmarkierungen dauerhaft und gut sichtbar hinzuweisen.

Situationsbezogen

Auch wenn sich die Anlässe zum Feiern ändern und es sich anstelle des Kitabschlussfestes im Sommer um ein Fest im Advent handelt:
Die vorbereitenden Überlegungen sind die gleichen und sollten dazu beitragen, dass es eine rundum gelungene Veranstaltung wird, die allen noch lange angenehm in Erinnerung bleibt.