Arbeitsbedingte Belastungen von ErzieherInnen

Abb.: Übersicht Belastungsarten (klicken zum Vergrößern)
Übersicht von Belastungsarten. Belastungen werden in drei Arten geteilt. Ganz links die körperliche Belastung. Sie tritt durch fehlerhaftes sitzen, falsches Heben und Tragen, Lärm oder Infektionsgefahr auf. In der Mitte die Psycho-mentale Belastung. Di

Während bei gewerblichen Tätigkeiten wie z.B. im Bauwesen mögliche Belastungen durch Heben und Tragen, Lärm etc. offenkundig sind, wirkt die Arbeit in den Kindertagesstätten für Außenstehende zunächst wenig belastend. Erst der nähere Blick zeigt, auch hier liegen Belastungen vor, die entsprechender Kompensation bedürfen. Kompensation heißt dabei Schutz vor Belastungsfolgen wie Leistungsminderung und Krankheit, aber auch Verbesserung des Arbeitsergebnisses durch optimierte Arbeitsbedingungen. Gerade letzteres dürfte auch im Rahmen der aktuellen Bildungsdiskussion von Interesse sein.

Wir wollen hier exemplarisch nur das Sitzen sowie die Lärmbelastung nähern betrachten und verweisen auf die umfassenderen Ausführungen in Band 7 „Erziehung - (k)ein Kinderspiel“ unserer Schriftenreihe.

Sitzen (unergonomisches Mobiliar)

Man sieht eine Erzieherin, die sich mit Kindergartenkindern um einen Tische herum gesetzt hat zum Essen. Sie sitzt dabei auf einem kleinen Kinderstuhl.

Insbesondere im Kindergartenbereich hat sich in den letzten Jahrzehnten das „Sitzen auf Kinderniveau“ etabliert. Die Erzieherin sitzt dabei an Tischen in Kinderhöhe und benutzt einen Kinderstuhl oder einen halbwegs passenden „Erwachsenenstuhl“. Egal wie die genaue Gestaltung der Sitzposition nun aussieht, in der Regel erlaubt das Sitzen an Kindertischen keine rückengerechte Haltung. Da oftmals die Beine nicht unter den Tisch gestellt werden können, wird parallel zum Tisch gesessen und die notwendige Tischorientierung durch Verdrehen der Hals- und Lendenwirbelsäule erreicht. Die gleichzeitig notwendige Anpassung an die Tischhöhe erfolgt durch eine zusätzliche Beugehaltung. Die Wirbelsäule befindet sich hierdurch in einer 2- dimensionalen Zwangshaltung, was bei längerer Belastung zu einer ungünstigen Beanspruchung der Bandscheiben führt. Ob hieraus nun eine erhöhte Beanspruchung der Wirbelsäule resultiert, hängt vom Gesamtsitz-/ Bewegungsverhalten ab. Langes statisches Sitzen ohne ausgleichende Bewegungen kann die Beanspruchung steigern, dynamisches Sitzen, kurzzeitiges Sitzen beugt Beanspruchungen vor.

  • Bei den üblichen „Sitz-Zeiten“ der ErzieherInnen von ca. 2, 5 h/ Tag wird man also für eine ergonomische Sitzhaltung und eine rückengerechte Arbeitsweise sorgen müssen. Eine ergonomische Sitzhaltung verlangt in der Regel einen Tisch in Erwachsenenhöhe sowie einen entsprechend geeigneten Stuhl. Damit dieses Sitzsystem realisiert werden kann, muss die Sitzhöhe der Kinder an die „Erwachsenentischhöhe“ angepasst werden, wozu es spezielle (höhenverstellbare) Kinderstühle gibt.
Bei Personen mit „kleiner Körpergröße“ kann eine angemessene Sitzposition ggf. auch durch die Verwendung spezieller (tief einstellbarer) Bürodrehstühle erreicht werden, die üblichen Kinderstühle können bei dieser Lösung beibehalten werden.
  • Da die Anschaffung ergonomischer Möbel natürlich auch ein Kostenfaktor ist, sollte vor bzw. bei der Anschaffung das Angebot etlicher Hersteller, Händler  genutzt werden, geeignete Stühle auszuprobieren.

Selbstverständlich gehört zu einem gesunden Rücken auch eine gestärkte Rückenmuskulatur. Entsprechende Gymnastik- und Rückenschulangebote sollten daher angenommen und die Inhalte im Alltag umgesetzt werden. Wichtig: Rückengerechtes Arbeiten ist nicht nur ein Thema für bereits Erkrankte, auch beschwerdefreie MitarbeiterInnen sollten alles dafür tun, dass der „Rücken gesund bleibt“.

Lärmbelastung von ErzieherInnen

Abb.: Lärmminderung (Klicken zum Vergrössern)
Grafik zur Lärmminderung. In den drei blauen Kreisen stehen Maßnahmen zur Lärmminderung. Im oberen Kreis sind bauliche Maßnahmen angesiedelt. Der untere linke Kreis enthält Organisatorische Maßnahmen und der Kreis rechts unten steht für Pädagogisc

Grundsätzlich stellt die Erziehung und Betreuung von bis zu 25 (Klein-) Kindern in einem Raum auch akustisch schon eine besondere Situation dar. Schreien, Lachen, Sprechen all dies kann parallel statt finden und zu erheblichen Lärmpegeln führen. 

Messungen in Kindertagesstätten ergeben Lärmpegel von z.T. deutlich über 80 dB(A), wobei auch schädigende Pegelbereiche von 85 dB(A) erreicht werden können. Hieraus resultieren überwiegend psycho-mentale Belastungen (durch Lärm gestresst sein). Darüber hinaus wird die Sprachverständlichkeit erheblich beeinträchtigt. Letzteres ist gerade für einen Raum, in dem vorschulische Erziehung statt finden soll, unakzeptabel. Es besteht somit die Notwendigkeit, der Lärmbelastung ein besonderes Augenmerk zu widmen und Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Bauliche Maßnahmen

Die Abbildung oben zeigt die Senkung der Nachhallzeit in einem Gruppenraum durch Einbau von Akustikplatten. Es ist deutlich erkennbar, dass die Nachhallzeit über den gesamten Frequenzbereich nahezu halbiert wurde. Lärmminderung und subjektive Wahrnehmung der Raumakustik wurden damit deutlich verbessert.
Die Abbildung zeigt die Senkung der Nachhallzeit in einem Gruppenraum durch Einbau von Akustikplatten. Es ist deutlich erkennbar, dass die Nachhallzeit über den gesamten Frequenzbereich nahezu halbiert wurde. Lärmminderung und subjektive Wahrnehmung der

Wesentlich bei der Lärmminderung ist die Optimierung der Raumakustik. Schallharte Oberflächen –wie die heute üblichen Bodenbeläge und großen Glasflächen- führen zu hohen Nachhallzeiten, die vorhandene Schallquellen quasi verstärken. Gruppen-, Mehrzweckräume sowie Flure sollen deshalb den Anforderungen der DIN 18041 „Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen“ entsprechen. Durch die Einhaltung der Normwerte können die Nachhallzeit und damit die Lärmbelastung merklich reduziert werden. Erreicht wird dies in der Regel durch den Einbau sogenannter Akustikdecken, das sind Deckenverkleidungen aus schallabsorbierenden Materialien. Diese gibt es in verschiedenen Designs wie z.B. Lochplatten oder mikroperforierte Platten.

Während bei Neubauten die Berücksichtigung des Schallschutzes relativ einfach ist, muss bei bestehenden Bauten der geeignete Schallschutz aufgrund der jeweiligen Rahmenbedingungen gewählt werden. In der Praxis gelingt dies in der Regel jedoch problemlos und gerade die nachgerüsteten Räume weisen eine deutliche Verbesserung der "Nutzungssituation" auf.

Organisatorische Maßnahmen

Durch organisatorische Maßnahmen können Arbeitsabläufe so geändert werden, dass sich eine Reduktion der Lärmeinwirkung ergibt. Mögliche Ansätze hierzu sind: 

  • Lärmpausen
  • Reduzierung der Gruppengröße

Als Lärmpausen können alle Tätigkeiten genutzt werden, die nicht unbedingt im Gruppenraum statt finden müssen (wie z.B. Schreibarbeiten, Vorbereitungen etc.). Ob diese „Pausen“ extern im Büro oder Aufenthaltsraum möglich sind, hängt in entscheidendem Maße von den speziellen Gegebenheiten der Einrichtung ab. Sofern die Bedingungen vor Ort (Personalschlüssel, Räumlichkeiten) dies ermöglichen, sollten derartige Lärmpausen unbedingt genutzt werden.

Die Reduzierung der Gruppengröße ist ebenfalls geeignet die Lärmeinwirkung zu reduzieren. Es wäre wünschenswert, wenn im Rahmen bestehender Bildungsoffensiven hier Veränderungen der Vorgaben erreicht würden.

Pädagogische Maßnahmen
Zusätzlich zur Raumakustik können weitere Verbesserungen erreicht werden, wenn lärmintensive Aktivitäten verändert oder vermieden werden. Hierzu gehört z.B. auch eine diesbezügliche Reflektion des pädagogischen Konzepts der Einrichtung. 
Es gilt also zunächst lärmintensive Tätigkeiten/ Aktivitäten festzustellen, was in der Regel leicht auch ohne Messgeräte möglich sein dürfte. Die gefundenen „Lärmquellen“ müssen dann hinsichtlich möglicher Maßnahmen betrachtet und verändert werden. Letzteres wird nicht immer auf Anhieb mit Erfolg gelingen, hier sollte eine gewisse Bereitschaft zum „Experimentieren“ bestehen.

Lärmampel
Für den Schul- und Kindertagesstättenbereich sind diverse (darstellende) Lärmmessgeräte unterschiedlichster Preisklassen auf dem Markt. Ob in Form einer Ampel oder als stilisiertes Ohr zeigen diese Geräte im rot-gelb-grün Modus die jeweilige Lärmsituation im Raum an. Die sinnvolle Nutzung dieser Geräte kann nur im Rahmen einer entsprechenden Konzeption erfolgen, einfaches Hinhängen/ -stellen genügt nicht.

Grundsätzlich gibt es über die Dauerwirksamkeit der Geräte noch wenige Aussagen. Unabhängig hiervon eignen sie sich jedoch auf jeden Fall hervorragend zur Darstellung eines bestehenden Lärmproblems.

Gute Ideen aus der Praxis

Sollten Sie und Ihr Team sich mit der Thematik "Arbeitsbedingte Belastungen" schon auseinander gesetzt und Lösungen gefunden haben, die für andere Einrichtungen interessant sein können… dann schicken Sie uns "Ihr Konzept" – wir stellen Sie und Ihre Anregungen hier gerne vor.