Rechtliche Fragen bei Erste-Hilfe-Leistungen

Wenn Erste Hilfe zum Problem wird …

Eigentlich müsste ja alles klar sein: In Kindertageseinrichtungen sind Erste Hilfe-Materialien vorhanden, das Personal ist als Ersthelfer geschult und gehäuft auftretende Probleme durch vermeintlich unsachgemäße Erste Hilfe-Leistungen konnten wir als Unfallversicherungsträger bisher auch nicht feststellen.
Dennoch ist in den Bildungseinrichtungen derzeit eine gewisse Verunsicherung hinsichtlich der Wundversorgung, dem Entfernen von Zecken u. Ä. zu beobachten. Grund hierfür sind in der Regel Konflikte mit Eltern, die den pädagogischen Fachkräften eine fehlerhafte Erste Hilfe-Leistung vorwerfen und z.T. mit juristischen Konsequenzen drohen.

Diese „elterliche Sorge“ kann dazu führen, dass sich  Ersthelfer teilweise gar nicht mehr trauen, ein einfaches Pflaster zu kleben oder gar eine Zecke zu entfernen. So verständlich die Sorge der Eltern um das Wohl ihrer Kinder ist, kann sie hier aber geradezu das Gegenteil bewirken: eine Verschlimmerung von Verletzungen aufgrund des Unterlassens einer eigentlich angezeigten Erste Hilfe-Leistung. Als Unfallversicherung möchten wir dieser Entwicklung im Sinne einer wirksamen Ersten Hilfe entgegen treten.

Daher möchten wir konkret zu der häufigen Anfrage zur Pflastervergabe auf folgendes hinweisen:

Kleben eines Pflasters

Wundversorgung beim Kind mittels Pflaster

Pädagogische Fachkräfte sind zur Ersten Hilfe verpflichtet. Jede Wunde sollte mit möglichst keimfreiem Verbandmaterial abgedeckt werden. Für kleinere Wunden mit nur geringer Blutung eignet sich hierfür ein Wundschnellverband, umgangssprachlich auch „Pflaster“ genannt. Dies entspricht der aktuellen und gängigen Erste Hilfe-Praxis, d.h. einem selbstverständlichen Vorgehen. Im Rahmen der Ersten Hilfe-Leistung kann der Ersthelfer grundsätzlich nicht zum Schadensersatz herangezogen werden, es sei denn, er handelt grob fahrlässig oder vorsätzlich durch unsachgemäßes Vorgehen, was zum Tode oder zu einer Verschlimmerung der Schädigung führt.

Die tausendfache tägliche Praxis zeigt, dass dies aber gerade beim Kleben eines Pflasters sehr wenig wahrscheinlich ist. Eine überzogene Ängstlichkeit der Eltern sollte daher nicht als Anlass zur Verunsicherung genommen werden.