Sicherheit und Gesundheit in der Kindertageseinrichtung organisieren

Der Träger ist gesetzlich verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung für Beschäftigte und versicherte Kinder durchzuführen, um die Sicherheit und Gesundheit gewährleisten zu können. Auch für die Umsetzung zusätzlicher Infektionsschutzmaßnahmen im Rahmen der Kindertagesbetreuung ist der Träger verantwortlich.

Hinweise zu den Maßnahmen des Infektionsschutzes allgemein werden insbesondere durch das Robert Koch-Institut (RKI) zur Verfügung gestellt und regelmäßig aktualisiert.

Kitaleitungen und Träger sind für die Umsetzung der notwenigen Präventions- und Hygienemaßnahmen verantwortlich. Die Herausforderung besteht darin, "Handhygiene", "Niesetikette" und "Mindestabstände" personell, räumlich, organisatorisch und pädagogisch umzusetzen.

Gefährdungsbeurteilung aktualisieren

Es muss geprüft werden, ob die Gefährdungsbeurteilung für Kindertageseinrichtungen und die Großtagespflege mit angestellten pädagogischen Fachkräften aktualisiert werden muss. Betriebsarzt/Betriebsärztin und Fachkraft für Arbeitssicherheit können dabei unterstützen.

Eine Muster-Gefährdungsbeurteilung der BGW zur Kinderbetreuung unter Berücksichtigung von SARS-CoV-2 finden Sie hier.

Bildung eines Krisenteams

Um den besonderen Herausforderungen des Umgangs mit der Corona-Pandemie begegnen zu können und einrichtungsspezifische Maßnahmen umzusetzen wird für Kindertageseinrichtungen die Bildung eines Krisenteams, bestehend aus Träger, Leitung, Beschäftigtenvertretung, Elternvertretung, Betriebsärztin/Betriebsarzt und ggf. weitere Personen empfohlen. Der stufenweise Ausbau der Notbetreuung bis hin zur Regelbetreuung erfordert die Abstimmung des Betreuungsangebotes zwischen Einrichtung oder Tagespflegeperson und dem zuständigen Jugendamt.

Personaleinsatz

Es ist Aufgabe des Trägers der Kindertageseinrichtung, ausreichend Personal zur Betreuung in möglichst kleinen Gruppen zur Verfügung zu stellen.

Die Arbeitgeber stehen in der Verantwortung, besondere Personengruppen unter Berücksichtigung der Empfehlungen des RKI und landesrechtlicher Vorgaben nicht für die pädagogische Arbeit in der Kindertagebetreuung einzusetzen. Hierzu können Personen,

  • für die auf Grund ihres Alters oder auf Grund von Erkrankungen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko besteht,
  • Schwangere, sofern für diese nicht ohnehin ein Beschäftigungsverbot gilt und
  • Personen, die pflegebedürftige Angehörige mit Grunderkrankungen im häuslichen Umfeld betreuen,

zählen. In Zweifelsfällen beraten Betriebsärztin/Betriebsarzt bzw. der zuständige betriebsärztliche Dienst.

Hatten Beschäftigte in den letzten 14 Tagen vor dem geplanten Einsatz in der Kita engen Kontakt zu einer Person mit bestätigter COVID-19-Erkrankung, darf die Kindertageseinrichtung von diesen Beschäftigten nicht betreten werden bzw. die Kindertagespflege nicht betrieben werden. Gleiches gilt, wenn Beschäftigte oder die Tagespflegeperson während der Kinderbetreuung Kenntnis erlangen, dass ein enger Kontakt zu einer Person bestand, die nachweislich infiziert ist. Ein enger Kontakt bedeutet, dass man entweder mindestens 15 Minuten mit der erkrankten Person Gesichts- oder Sprachkontakt hatte bzw. angehustet oder angeniest worden ist, während diese ansteckend war.

Homeoffice bzw. mobiles Arbeiten

Büroarbeiten (z. B. Ausarbeiten von Betreuungsangeboten und Projekten, Dokumentationen von Entwicklungsprozessen der Kinder etc.) sollten, wenn möglich, nicht in der Einrichtung, sondern im Home-Office ausgeführt werden. Der Begriff Home-Office umfasst die Telearbeit und das mobile Arbeiten.

Home-Office kann auch ein Angebot für Beschäftigte einer Risikogruppe oder für Beschäftigte, die Betreuungspflichten (z. B. Kinder oder pflegebedürftige Angehörige) nachkommen müssen, sein.

Homeoffice in Zeiten von Corona: Das sollten Beschäftigte und Betriebe jetzt beachten Arbeiten in der Corona-Krise

Spezielle Regelungen für den Mutterschutz

 Nach dem Mutterschutzgesetz (MuSchG) ist es Aufgabe und Verantwortung des Arbeitgebers bzw. der Ausbildungsstelle, eine unverantwortbare Gefährdung der schwangeren oder stillenden Frau bzw. ihres Kindes auszuschließen. Da die Auswirkungen einer SARS-CoV-2-Infektion derzeit noch nicht zuverlässig bewertet werden können und der Erreger als biologischer Arbeitsstoff der Risikogruppe 3 eingruppiert ist, wird ein erhöhtes Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 z. B. am Arbeits- oder Ausbildungsplatz mit Kontakt zu einer größeren Anzahl von Personen präventiv als unverantwortbare Gefährdung eingestuft.

Bei der Auswahl geeigneter Schutzmaßnahmen sollte geprüft werden,

  • ob ein Mindestabstand von 1,5 m im Kontakt zu anderen Personen sichergestellt werden kann,
  • ob andere notwendige Schutzvorkehrungen getroffen werden können,
  • ob die Schwangere an einem Einzelarbeitsplatz ohne Infektionsgefährdung beschäftigt werden kann oder ob sie von zu Hause arbeiten kann.

Informationspapier zu Mutterschutz und SARS-CoV -2, BAFzA

Hinweise für betriebliche Beschäftigungsverbote bei schwangeren Frauen aufgrund der Coronavirus-Pandemie sind beim Ministerium für Soziales und Integration abrufbar.

Arbeitsmedizinische Vorsorge und Schutz besonders gefährdeter Personen

Den Beschäftigten muss die arbeitsmedizinische Vorsorge ermöglicht werden. Individuell können sie sich auch vom Betriebsarzt beraten lassen, insbesondere zu Gefährdungen wegen einer Vorerkrankung oder einer individuellen Disposition.

Der Betriebsarzt/die Betriebsärztin kennt den Arbeitsplatz und schlägt dem Träger bzw. Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen vor, wenn die normalen Arbeitsschutzmaßnahmen nicht ausreichen.

Gegebenenfalls kann der Betriebsarzt/die Betriebsärztin den Betroffenen auch einen Tätigkeitswechsel empfehlen. Der Arbeitgeber erfährt davon nur, wenn der/die Betreffende ausdrücklich einwilligt.

Die Beratung im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge kann auch telefonisch erfolgen; einige Betriebsärzte/Betriebsärztinnen bieten eine Hotline für die Beschäftigten an. Ängste und psychische Belastungen der Beschäftigten sollen ebenfalls thematisiert werden können.

Aktualisierung des Hygieneplans

Im Hygieneplan der Kita sind alle Maßnahmen zur Infektionshygiene festgelegt und gelten auch gegen SarsCoV-2. Träger, Beschäftigte und Kindertagespflegepersonen sollten alle hygienerelevanten Bereiche (neben den Gemeinschaftsräumen, Sanitärräumen und Pausenräumen auch Küchen) dahingehend überprüfen. Unter Umständen sind ergänzende Hygienemaßnahmen notwendig, die (soweit erforderlich) mit dem zuständigen Gesundheitsamt abgestimmt werden sollten oder von diesem veranlasst werden.

Soweit nicht bereits vorgeschrieben, wird ergänzend idealerweise ein Reinigungs- und Desinfektionsplan erstellt, in dem festgelegt wird, wer wann welche Reinigungstätigkeit wie und mit welchen Mitteln durchzuführen hat.

Hinweise und Empfehlungen zur Reinigung und Desinfektion des RKI.

Erste Hilfe leisten und Seminare für Ersthelfer*innen

Ersthelfende sollten ganz besonders auf den Eigen- und Fremdschutz achten. Wenn eine Herz-Lungen-Wiederbelebung erforderlich ist, muss die Herzdruckmassage angewendet werden. Ob dabei auf die Mund-zu Mund bzw., Mund-zu-Nase-Beatmung verzichtet wird, liegt im Ermessen der Ersthelfer*innen.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung empfiehlt, die Aus- und Fortbildung für Ersthelfende zunächst über den 30.05.2020 hinaus auszusetzen.

Überschreiten der Fortbildungsfrist für Ersthelfer*innen

"In der Regel" sollen Ersthelfer*innen in Zeitabständen von zwei Jahren fortgebildet werden. Sollte die Fortbildungsfrist auf Grund der derzeitigen Corona-Situation überschritten werden, lässt die Forderung insbesondere in der aktuellen Situation einen gewissen Handlungsspielraum offen. Bei deutlicher Überschreitung oder in Zweifelsfällen sollte erneut eine Teilnahme an einer Ersten-Hilfe-Ausbildung erfolgen. Gegebenenfalls sollte der Betriebsarzt/die Betriebsärztin in die Entscheidung eingebunden werden. Der zeitliche Umfang der Ausbildung ist identisch mit der Fortbildung und beträgt ebenfalls neun Unterrichtseinheiten.

Erste Hilfe in Corona-Zeiten, FAQ der UKH

Corona bedingte psychische Belastungen minimieren

Die Auswirkungen und Bedrohungen der Corona-Krise können bei Beschäftigten Ängste hervorrufen. Weitere Aspekte, die psychische Belastungen bei den Beschäftigten hervorrufen können, sind unter anderem mögliche Konflikte mit Angehörigen der zu betreuenden Kinder oder eine lang andauernde hohe Arbeitsintensität.

Organisatorische und personenbezogene Maßnahmen hierfür können sein:

  • Aufgabenstellung klar vorgeben, klar abgegrenzte Verantwortungsbereiche/Zuständigkeiten und eine klare Prioritätensetzung,
  • kontinuierliche und gezielte Informationen über die aktuelle Situation und die Maßnahmen,
  • verantwortungsbewusster Umgang mit Beschäftigten, die einer Risikogruppe angehören,
  • kollegialen Austausch, Begleitung und Unterstützung ermöglichen,
  • Auffanggespräche zwischen Führungskräften und Beschäftigten durchführen

Der Bundesverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen beispielsweise bietet eine kostenfreie, anonyme Corona-Hotline an. Unter 0800 777 22 44 erreichen Sie täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr Expert*innen für dieses Thema. Was Beschäftigte und Führungskräfte tun können, um die psychische Belastung zu reduzieren, finden Sie im Corona-Bereich der Unfallkasse Hessen. Weitere Informationen stellt die BGW bereit.

Unterweisung: aktive Kommunikation mit Eltern, Kindern und sonstigen Personen

Um die Handlungssicherheit zu erhöhen sind alle Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen und Großtagespflege über die einrichtungsspezifischen Präventions- und Hygienemaßnahmen zur SARS-CoV 2 zu unterweisen.

Der Träger der Einrichtung oder die verantwortliche Person stellt sicher, dass die besonderen Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln ebenso allen Erziehungsberechtigten und sonstigen Personen, die die Einrichtung betreten, durch verständliche Hinweise wie Hinweisschildern, Aushängen usw., vermittelt werden. Ein wiederkehrender Austausch mit den Erziehungsberechtigten wird empfohlen. Auch den Kindern sollten die Verhaltensregeln (bspw. Händewaschen, Hust- und Niesetikette) alters- und entwicklungsangemessen vermittelt werden.

Für die Unterweisung können sie z. B. die Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder der BGW nutzen.